Eingewöhnung im Kindergarten
Übergänge gehören zum Leben, und auch ein Kind wird immer wieder vor die Aufgabe gestellt, sich von einer vertrauten Situation zu verabschieden und auf eine Neue zuzugehen. Die Aufnahme in die Kindertagesstätte, der Übergang von der Krippe in den Kindergarten in die Schule aber auch kleinere Übergänge im Tagesablauf, z.B. vom Mittagessen zum Schlafen, sind für die Kinder bedeutsam. Jeder Übergang stellt das Kind vor neue Herausforderungen und bedeutet Beziehungsarbeit. Das pädagogische Personal gestaltet die Eingewöhnung ganz sanft angelehnt an das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell.
Die Eltern begleiten die Eingewöhnungsphase sehr intensiv mit und gestalten gemeinsam mit den ErzieherInnen pädagogische Alltagssituationen aktiv mit.
Das Partizipatorische Eingewöhnungsmodell / Bedürfnisorientiert kurz erklärt:
Unser Eingewöhnungsmodell gestalten wir individuell an die Bedürfnisse des Kindes angepasst und ist angelehnt an das partizipatorische sowie bedürfnisorientierte Modell.
Es werden aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse aus der frühen Kindheit, der Bindungstheorie, der Transitionsforschung (pädagogische und psychologische Theorien, die Übergangsprozesse und Bewältigungsmöglichkeiten beschreiben), der prä- (vor der Geburt), peri- (im Rahmen der Geburt) und postnatalen (nach der Geburt) Psychologie und der Trauma-Pädagogik berücksichtigt.
Bei diesem Eingewöhnungsmodell gibt es eine lange Ankommens Phase bei der die Fachkräfte die Möglichkeit bekommen wahrnehmende Beobachtungen durchzuführen. Die sich herausgestellten individuellen Bedürfnisse der Kinder sind Ausgangspunkt für unser pädagogisches Handeln.
Der Ablauf:
- 1. Phase: Informieren
- Erstes Gespräch zwischen Erziehungsberechtigten und Fachkraft, ausführliches Anamnesegespräch.
- 2. Phase: Ankommen in der Einrichtung
- Erziehungsberechtigte und Kinder dürfen sich in der Einrichtung frei bewegen und am gesamten Kita-Alltag teilhaben.
- 3. Phase: In Kontakt gehen
- Die Fachkraft nutzt die Beobachtungen für passgenaue Spielangebote.
- 4. Phase: Beziehung aufbauen
- Das Kind geht mit der Fachkraft in Kontakt ohne ständige Rücksicherung, Pflegetätigkeiten wie Essen / Trinken anbieten oder Hände waschen werden von der Fachkraft übernommen.
- 5. Phase: Sich in der Einrichtung wohlfühlen
- Das Kind kommt morgens freudig an, beteiligt sich an Interaktionen und erkundet die Welt eigenständig. Die Kita-Strukturen sind verinnerlicht und fühlt sich sicher in der Nähe der Fachkraft.
- 6. Phase: Bereit für den Abschied
- Die Erziehungsberechtigte Person und Kind entscheiden über den Zeitpunkt der Trennung aktiv mit. Die Fachkraft sucht das Gespräch vor der 1. Trennung. Reflektion über Merkmale bei denen das Kind zeigt, dass es gut angekommen ist. Das Elternteil wird explizit gefragt, ob es bereit ist für eine erste Trennung.
- 7. Phase: Die Einrichtung wird zum Alltag
- Trennung gelingt ohne Protest, Kinder beteiligen sich aktiv am Alltag und zeigen, dass es ihnen gut geht, Zeit wird Stück für Stück ausgebaut.
Ein starres Eingewöhnungsschema kann das Kind überfordern. Flexibilität und Geduld seitens der Fachkräfte, so wie den Erziehungsberechtigten sind unerlässlich.
Durch eine enge Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten erhalten die Fachkräfte wertvolle Hinweise über das Kind. Außerdem wird dem Kind durch die Anwesenheit ihrer primären Bezugsperson Sicherheit vermittelt.
Fazit
Eine bedürfnisorientierte Eingewöhnung ist nicht nur eine Frage der pädagogischen Qualität, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil des Kinderschutzes.
Sie legt den Grundstein für eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Kind und Betreuungsperson und unterstützt die gesunde Entwicklung des Kindes. Fachkräfte in Krippe und Kita tragen eine große Verantwortung, diesen sensiblen Prozess mit Empathie, Geduld und Fachwissen zu gestalten. Nur so können wir sicherstellen, dass jedes Kind die bestmögliche Grundlage für seine weitere Entwicklung erhält.
Indem wir die individuellen Bedürfnisse der Kinder respektieren und auf sie eingehen, schaffen wir eine Umgebung, in der sie sich sicher und geborgen fühlen. Dies ist die Grundlage für ihre emotionale, soziale und kognitive Entwicklung. Bedürfnisorientierte Eingewöhnung ist daher ein wesentlicher Bestandteil des gelebten Kinderschutzes.
Quelle: Bedürfnisorientierte Eingewöhnung ist gelebter Kinderschutz – Coaching Anja Cantzler (coaching-cantzler.de)
Der zweite Übergang von Krippe in den Kindergarten wird durch die Kinder und ErzieherInnen beider Gruppen gemeinsam gestaltet. Bereits im Vorfeld lernen sich alle untereinander durch gegenseitige Besuche und gemeinsame Aktionen kennen. Es wird eine Feier für das Kind organisiert, um es im Kindergarten willkommen zu heißen.







